Blatt platt

Ich fand mich auf einmal irgendwo wieder.

Ich sah mich um. Es war ein Blatt Papier. Aber es war nicht so, dass ich mich im Dreidimensionalen über dem Blatt befunden hätte. Nein. Ich war nur noch zweidimensional. Man hatte mir meine räumliche Tiefe gestohlen.

Erst kam die Trauer, dann kam die Wut.

Die Trauer trug einen purpurroten Zylinder, Schnauzbart und einen Anzug. Die Wut auch, nur trug sie ein Schild mit der Aufschrift „Bitte kein ‚rs’ einfügen“.

Die beiden bauten sich vor mir auf.

„Was ist das?“, fragte ich und wies mit dem Zeigefinger auf das Schild.

„Das ist ein Schild, junger Mann“, antwortete die Trauer.

„Nun lass mich doch mal reden“, schrie die Wut, „du kannst doch nicht dauernd für mich antworten!“

„Oh doch, meine kleine“, sagte die Trauer und hielt der Wut die Nase zu, die zusammenzuckte und nun aufhörte zu reden. „Mein Gott, Entschuldigen Sie, aber sie ist manchmal so ein kleines Würstchen–“

„Jetzt hast du’s gemacht“, platzte es aus der Wut nun hinaus, „du hast mich zur Wurst gemacht!“

Na wenn es aus dir immer so hinausplatzt ist es gut, dass man kein „rs“ einfügt, Würste sollten nämlich beim Kochen nicht platzen, das lässt sie Aroma verlieren, dachte ich mich.

Während ich das so dachte, hatten sich Trauer und Wut schon in einen heftigen Kampf verwickelt, der wohl böse enden würde, Wut hatte Trauer in den Zeh gebissen, worauf diese ihr einen Zahn mit dem anderen Fuß ausgebissen hatte – das erstaunliche war, dass ihr Fuß beißen konnte, nur 3,7 % aller Füße verfügen über diese außergewöhnliche Fähigkeit.

1 Kommentar

Eingeordnet unter Philipp

Eine Antwort zu Blatt platt

  1. wie immer: ein klassischer Flipsi!

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